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„Der Westen“: ein Fall kollektiver Dummheit … oder „faustischer Pakt“
Der russische Schriftsteller Viktor Jerofeev erklärt in der ZEIT dieser Woche, „warum es dem Westen trotz besseren Wissens so schwerfällt, in Putin den Aggressor zu sehen, der er ist“ („Ein blindes Europa zieht in den Krieg“). Artikel und Beiträge zum Thema – mehr oder weniger gut und klug – haben Hochkonjunktur; das ist allerdings „being wise after the event“. Oder anders, auf gut deutsch, dieser Artikel und die meisten anderen in diesen Wochen publizierten Beiträge hätten spätestens ab Krim-Annexion und der asymetrischen Donbass-Einnahme erscheinen müssen. Es hat Warnungen, viele gründlich recherchiert, faktenbegründete Veröffentlichungen lange vor der aktuellen Katastrophe gegeben – ich habe mehr als dreißig Bücher gegoogelt. Sehr gut und ausführlich biografisch…
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Agree to Disagree
Roger Ailes(*): „Wahrheit ist das, was die Leute glauben.“ Ich ergänze: Menschen glauben, was sie glauben möchten. Sie glauben nicht, was sie nicht glauben wollen. Und objektive Wahrheit gibt es vielleicht gar nicht („Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“). Vielleicht schließe ich hier von mir auf „die Menschen“. Ja, ich lese, höre und sehe bevorzugt Inhalte und Meinungen, die ich teile. Ich bin davon überzeugt, daß ich diese Subjektivität mit der Mehrheit der Menschen gemein habe. Ich bemühe mich, Sachverhalte, Vorgänge und Erscheinungen objektiv zu beurteilen und füge dem sofort einschränkend hinzu: „relativ“. Niemand kann absolut objektiv urteilen, weil jeder erstens individuell (polygen) abstammt („nature“)und zweitens in unterschiedlichen Umfeldern (Familie, Milieu)…
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Debatte „Schwere Waffen“
Erstaunlich, wieviel Energie nicht erst seit Veröffentlichung des EMMA-Briefs für diesen Begriff verbraucht wird. Sind die 5000 Helme, die die BMVg Lambrecht im Februar zur Unterstützung an die Ukraine geschickt hatte, bereits die Aufgabe unserer Neutralität gewesen oder sind es nun die sieben Panzerhaubitzen und andere sog.schwere Waffen? Ich wiederhole, daß wir bei einem derartigen Aggressionsakt bereits ab dem Moment, in dem diese Aggression manifest wurde, nicht mehr neutral sein konnten und daß Waffen – egal, ob Helme oder Haubitzen, leichte oder schwere – in dem Moment nur noch nach „defensiv“und „offensiv“unterschieden werden. BMWi Habeck dazu aktuell in Die Zeit: „Ein Land, das Selbstverteidigungsrechte ausübt, darf unterstützt werden.“ .Gestritten zum…
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Über die Auseinandersetzung über die Zurverfügungstellung von „schweren Waffen“für die Ukraine.
28 Intellektuelle und KünstlerInnen schreiben einen Offenen Brief an Kanzler Scholz (publiziert in EMMA, mit dem Hinweis im Logo: Bleibt mutig! … ich ergänze: jetzt besonders!) https://www.emma.de/artikel/offener-brief-bundeskanzler-scholz-339463 … Zwei Grenzlinien, die nach Überzeugung der Signataren nicht überschritten werden sollten, sind (1) die Lieferung großer Mengen schwerer Waffen, wodurch Deutschland selbst zur Kriegspartei wird und … (2) die Vergrößerung des Maßes an Zerstörung und menschlichen Leids unter der ukrainischen Zivilbevölkerung (durch Verlängerung des Kriegs, ermöglicht durch Lieferung schwerer Waffen) – (1) und (2) = zusammengefasst ein zentraler Irrtum. Begründet vor zweifachem Hintergrund: (1) Historisch: der Ukraine wird seit der Kiewer Rus das Recht auf Eigenständigkeit und Souveränität verweigert, bzw.streitig gemacht (von…
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Laut denken …
Die höchste Form der Hoffnung ist die überwundene Verzweiflung. (Albert Camus) …(*) Blog am 12.April 2022 Ist der Vergleich des durch mutmaßlich russische Soldaten begangenen Butscha-Kriegsverbrechens mit dem von U.S.-Soldaten vor 54 Jahren in My Lai Begangenen und anderen danach im Irak, Afghanistan etc.gerechtfertigt? Nur bedingt, weil diese von Soldaten’westlicher Staaten’verübten Verbrechen und andere als solche nicht geleugnet, meistens verfolgt und juristisch angeklagt und verurteilt werden. Es hat aber den Anschein, dass für die russischen Soldaten entgrenztes Verhalten, grenzenlose Grausamkeit (russisch: bespredel) zum Heldenstatus gehört und nicht als Verbrechen verstanden wird. Professionelle Beobachter diagnostizieren in der Ukraine Grausamkeit, die von russischen Soldaten wahllos an Zivilisten (einschließlich Alte, Kranke, Kinder)…
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Mein Russland – Update
Noch ein Pladoyer für die schönen Dinge, die wir der russischen Kultur verdanken – nach Semyon Bychkov, 1952 in der UdSSR geboren, Chefdirigent und Musikdirektor des Czech Philharmonic Orchestra. Er hat in den Musikhäusern aller deutschen Metropolen dirigiert. Er verliess „sein Russland“ in den 70ern. Bychkov beklagt, alles Russische sei nun giftig geworden und führe zu Verboten russischer Kunstwerke und Stornierungen russischer Künstleraufführungen. In seinem Beitrag im Economist (05.April) beklagt er diese Verbote als eine irrationale Reaktion, eine Reaktion, verstärkt mit der Intensität der Abscheu auf die Schrecken des Krieges und des Leidens, die dem Volk der Ukraine zugefügt werden. Diese Reaktion spiegelt unser Gefühl der Hilflosigkeit, unseren Schmerz und…
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Freie Staaten wählen ihre Bündnispartner
Die zuletzt am 30.März 2022 bei ARD-Maischberger erlebte Unterhaltung von Röttgen und Lafontaine und die Äußerungen von Lafontaine dort haben mich heute zu diesem Blog geradezu „getreten“: Es ist ärgerlich … daß sogar jetzt und immer noch eigentlich intelligente und auch verdiente Politiker das „Kreml-Narrativ“unterstützen, daß nämlich (1) die NATO Russland bedroht und (2) der „Westen“damit durch die NATO-Erweiterung „über die Elbe“hinweg wortbrüchig geworden sei. Bei so vielen ostdeutschen NATO-feindlichen Russland-Appeasern stelle ich mir inzwischen die Frage, ob das epigenetisch im „homo dede-erlis“angelegt ist. Was soll man zum Beispiel von diesem Statement des Alterspräsidenten der Linken Hans Modrow halten: „Die Frage, wie weit der Krieg in der Ukraine nun ein…
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Deutscher Alltag, kommentiert von Kurt Kister/SZ
… vorgelesen. An Jonathan Litells „Les Bienveillantes“ habe ich in diesen Tagen häufig gedacht. FAZ-ex-Herausgeber Schirrmacher fand Litells Werk „groß und kalt“ und war daher – auch – enttäuscht, meint Kister. Ich bin der Meinung, daß es genau diese Kälte ist, die dem Lesen und Verstehen dieses Buchs nützt und auch zu den teilweise grauenvollen, manchmal ekelerregenden Szenerien Abstand schafft.
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Ein, nein, d a s Solidaritätskonzert für die Ukraine
Am 19.März setzten das Konzerthausorchester Berlin und Dirigent Christoph Eschenbach ein musikalisches Zeichen der Solidarität und widmeten ukrainischen Kindern und ihren Familien ein besonderes Konzert. Auch für mich selbst ein ganz besonderes Erlebnis [online]. Hier ist der link. Nutzbar bis 17.Juni 2022. Das ganz Besondere an diesem Ereignis ist für mich die Auswahl der Musik … und der Dirigent Christoph Eschenbach, den wir – als Familie – in der Gruppe der damaligen Klaviervirtuosen Helmut Schmidt, Justus Frantz und Gerhard Opitz kennenlernten, die Gruppe, die in 1985 vier von Bachs sechs Klavierkonzerten (BWV 1060, 61, 63, 65) für Deutsche Grammophon einspielten (ganz rechts auf dem Cover). Eschenbach hat hier ein paar…
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Lwiw – Lemberg
Ein ganz besonderer Ort
