Iran, Westasien, die Welt. Nur das Orakel von Delphi weiß, was daraus wird … und, naturally, Donald Trump.
21. Juni 2026
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Pythia ist längst tot und das Orakel spricht nicht mit Menschen.
1) Trump hat das Abkommen von 2015 (JCPOA-Joint Comprehensive Plan Of Action/der Gemeinsame Umfassende Aktionsplan – kurz: Wiener Atomabkommen) in 2018 gekündigt. Der Vertragsgegenstand behandelt ausschließlich das iranische Nuklearprogramm.
Trump wollte ursprünglich auch einen Regime Change. Davon ist jetzt keine Rede mehr …
2) Das auch als 5+1-Abkommen (die 5 ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats + Deutschland) bekannte Abkommen wurde 2015 auch von Rußland und China mitgetragen.
Washington Post am 20.Juni 2026: „Today Trump says he is on the verge of a deal that is ’FAR BETTER’ than the last.„
Glaubt er das? Oder ist es autosuggestiv.
Netanyahu lehnte das Atomabkommen, das in der Regie der Obama-Administration in mehr als einem Jahr ausverhandelt und vom UN-Sicherheitsrat und Deutschland in 2015 bestätigt wurde, ab.
Netanyahu und Obama waren sich nicht erst seit dem Kampf um das Abkommen herzlich abgeneigt … (Bild von 2012 + Bildunterschrift von Reuters)
Das Obama-JCPOA von 2015 war nicht perfekt.
Im achten Jahr des Abkommens hätten die Beschränkungen für das iranische Atomprogramm sowieso begonnen auszulaufen. Das hätte dem Iran dann auch ermöglicht, sein Urananreicherungsprogramm weiter schrittweise zu industrialisieren.
(** Washington Post: „Nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation [IAEO] und des Zentrums für Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung hat der Iran in 2020, 2 Jahre nach Trumps Kündigung, begonnen, den Inspektoren der IAEO auszuweichen und moderne Zentrifugen zu installieren, mit denen angereichertes Uran schneller hergestellt werden kann“).
Trump muss sich viel einfallen lassen, um auch nur in die Nähe des status quo ante (dem Status vor den Angriffen) zu kommen.
Nein, das „Obama-Abkommen“ war nicht perfekt. Es war aber das besterreichbare damals … und heute, acht Jahre nach Trumps Kündigung nicht mehr erreichbar. Ich schlage vor, sich zu überlegen, warum die Iraner keine Inspektoren mehr zulassen … hören, was der Chef der IAEA zu Atomwaffen im Iran zu sagen hat …
Die Mullahs haben jetzt eine viel einsatzfähigere Waffe.
Statt der Weapon of Mass Destruction („Massenvernichtungswaffe“) setzen sie mit der Souveränität ihrer staatlich-territorialen Zuständigkeit – mit ‚junior partner’Oman – für die Hormus-Meerenge die Weapon of Mass Disruption (etwa „Massenkollabierungswaffe“) ein und erreichen so im Handumdrehen ihre Ziele.
Die Weapon of Mass Disruption kann mit viel Geld und Bauzeit neutralisiert werden.
Die konstruktive Ermahnung:
Mit dem Atomabkommen von 2015 war der Beweis erbracht, daß mit Diplomatie Konflikte dieser Größenordnung friedlich gelöst werden können.
Iran wäre vielleicht ohne die Angriffe der USA und Israels auch verhandlungsbereit gewesen, um die strangulierenden Sanktionen loszuwerden.
Und Trump will jedenfalls „seinen“ unnötigen Krieg loswerden.
Dafür sind $ 300 Mrd bereits in der pipeline nach Iran … und die erste Tranche ausbezahlt.
Ein Eigentor vor der möglichen Vereinbarung.
Was ist das für ein Abkommen?
Das Ziel von Obamas Atomabkommen:“… to ensure that Iran’s nuclear program will be exclusively peaceful and maintain transparency“.
Zu diesem Zweck wurde das iranische Atomprogramm in einem genau festgelegten Rahmen eingebunden.
Der Rahmen war real und spezifisch, die Festlegungen genau fixiert.
Im Rahmen des Abkommens durfte der Iran 15 Jahre lang Uran bis zu einem Anreicherungsgrad von 3,67 Prozent U-235 weiterverarbeiten. Bei Beschuss mit thermischen Neutronen wird U235 gespalten, und setzt enorme Mengen an Energie frei. Wichtig: erst mit diesem Verfahren wird U235 zum Brennstoff in Kernreaktoren und für Kernwaffen.
Der Anreicherungsgrad von 3,67 % reicht nur für die zivile Endnutzung. Waffenfähiges Uran bedingt einen Anreicherungsgrad von etwa 90 %. Der „Deckel“ limitierte also das Potenzial der Herstellung von waffenfähigem Uran mit einem sehr niedrigen Anreicherungsgrad.
Ausserdem limitierte das Abkommen die iranischen Bestände an schwach angereichertem Uran bei 300 kg, beschränkte die Anzahl der IR-1-Zentrifugen der ersten Generation in Natanz auf 5.060, verbot die Anreicherung in Fordow für 15 Jahre und verlangte eine Neukonstruktion des Reaktors in Arak, damit dieser kein Plutonium in seiner ursprünglichen, waffenrelevanten Form produzieren konnte.
Die IAEO (International Atomic Energy Agency, also die Internationale Atomenergiebehörde) war beauftragt worden, die Erfüllung der vertraglichen Bedingungen zu überwachen.
Heute (2026 = 6 Jahre nach Kündigung dieses Atomabkommens durch die erste Trump-Administration) … hatte Iran nach der Kündigung in 2018 8 Jahre Zeit, um die Anreicherung nachzuholen.
Hochwichtig : der Aufwand für die Anreicherung von Uran verläuft nicht linear. Es ist wesentlich schwieriger, von 0,7 % natürlichem Uran auf 20 % LEU(*) zu gelangen, als von solchen 20 Prozent auf 90 Prozent HEU(*).
(*) LEU = low-enriched = niedrig angereichertes Uran = Anteil an spaltbarem Isotops U²³⁵ wird durch Anreicherung von natürlichem Uran auf „unter 20 % (typischerweise 3-5 %)“ erhöht; HEU = highly enriched Uran = hochangereichertes Uran = der Anteil des spaltbaren Isotops Uran-U²³⁵ auf mindestens 20 % oder mehr erhöht.
Nach der Kündigung des Atomabkommens in 2018 konnten die Iraner weiter an der Herstellung HEUs arbeiten.
Wenn also das Uran im iranischen Besitz in der Zeit nach 2018 eine Anreicherung von 60 Prozent erreicht haben könnte oder sogar hat, ist die Schwelle hin zu Waffen geeigneter Anreicherung von 90 Prozent überschritten.
Nach Angaben der IAEO verfügt der Iran heute über etwa 440 kg (970 lbs) auf 60 Prozent angereichertes Uran – genug, um theoretisch 10 oder 11 einfache Atombomben zu bauen, wenn es auf 90 Prozent angereichert würde.
Grossi sieht keine Belege für Arbeiten an Kernwaffen, macht sich aber Sorgen über die Mengen hoch angereicherten Urans (HEU).
Das politische Umfeld im Iran in der Obama-Zeit
Das war in den Jahren vor 2020 günstiger als heute.
Der in der Obama-Zeit amtierende Präsident im Iran war Masoud Rohani, ein erfahrener, von einer Mehrheit der Iraner respektierter Reformpolitiker. Der aktuelle Amtsinhaber(seit 2024) Masoud Pezeshkian ist als Reformer bei den letzten Präsidentschaftswahlen mit geringerer Mehrheit gewählt worden. Er ist schwächer als die im iranischen Volk respektierten und auch verehrten Reformer Khatami, Moussavi und auch, weil sich das Regime-Umfeld in den letzten Jahren weiter radikalisierte.
Der für die Liquidierung des verehrten Volkshelden und Kommandeurs der Revolutionsgarde Quds (in Baghdad 2020) Qasem Soleimani verantwortliche Trump wird von den Mullahs bei den anstehenden Verhandlungen keinen Rabatt erhalten.
Die anderen Vier und Deutschland (aus 5+1) zählen für Trump sowieso nicht.
Das Minimum, das der intendierte Vertrag für den Angreifer USA erreichen wird, ist der Status quo ante, „ante“ vor vier Monaten, vor dem Angriff der USA und Israels.
Das Weisse Haus steht dann vor der Aufgabe, ein solches zwangsläufig schlechteres Abkommen als besseres und zum Erfolg des Dealmakers-in-Chief zu „verkaufen“.
Dabei spielt eine Atomeinigung inzwischen „second fiddle“, denn den Mullahs fällt der Verzicht nicht mehr so schwer wie“ noch während der Verhandlungen in 2014/15.China, das sich vornehm im Schatten des Getöses um Trump, Netanyahu und Nahost hält und sowieso lieber ein Iran ohne Nuklearpotenzial weiter unterstützen, kann zusehen.
Jetzt besitzt Iran mit der Schlinge um die Hormus-Meerenge die hoch effiziente weapon of mass disruption und hat mit den Houthi-Proxies am Roten Meer und der Bab El Mandeb-Meerenge weiteres Erpressungspotenzial (Bedrohung des Welthandels mit Konsum- und Investitionsgütern).
Hätte Trump oder einer der Sykophanten im Weißen Haus die … 159 Seiten des Obama-Abkommen gelesen – hätte, hätte … aber Trump liest nur Texte, die ins Twitter-Format passen und möglichst von ihm stammen. Hätte, hätte … das Verhandlungsziel könnte sich die Schwächen der Obama-Vereinbarung vornehmen.
Trump läßt lesen und seine Mitarbeiter müssen mit dem, was sie diesem Chef zumuten können, vorsichtig sein. Sein Buddy und Immobilien-Kollege Stevie Wittkoff, der in Russland und Israel unterwegs war, „unterstützt“ jetzt JD Vance. Wittkoff hatte seine Unkenntnis von Geschichte und Landeskunde dort schon unter Beweis gestellt. Schwiegersohn Kushner hat anders als Wittkoff Unkenntnis nicht offenbart.
Man sollte Geschichtsunwissende nicht mit Außenbeziehungen beauftragen. Politische oder persönliche Personalentscheidungen (z.B.Golffreund, Schwiegersohn oder Parteifreund) führen meistens zu Fehlentwicklungen. Nicht nur in den USA, dort aber besonders während der aktuellen Administration.
Eheu, eheu, haben die „alten Griechen“in solchen Situationen gejammert.
Und was wird das alles für Israel, Libanon und Palästina bedeuten?
Netanjahu vergleicht seit dem internationalen Gegenwind, der ihm und auch den Israelis ins Gesicht bläst, sein Land mit Sparta. Hat er die Geschichte Spartas denn verinnerlicht?
Zu weit in unbestimmter Zukunft?
Hauptsache, er muss nicht vor Gericht und ins Gefängnis.