Hannah Arendt und die Erschaffung des Staates Israel
3. August 2026
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Robert Manne, emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der La Trobe University, Melbourne, Australien, hat im Juli diesen Artikel für Ha’aretz geschrieben.
Ich habe den Artikel übersetzt und „etwas“kommentiert.
Die Themen in Mannes Arbeiten und Forschungen betreffen hauptsächlich aktuelle Ereignisse primär in Australien oder solche, die in direktem oder indirektem Zusammenhang mit dem standen, was seinen jüdischen Großeltern und „seinem Volk in Europa„ widerfahren ist.
Was aktuell in den Westbank-Gebieten, die von der palästinensischen Autonomiebehörde – vorgeblich im Auftrag der israelischen Regierung – verwaltet werden, geschieht, ist mindestens ein Politizid („systematische Zerstörung, Auslöschung oder Auflösung der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Existenz einer Gruppe oder eines Volkes“) – der Begriff wurde vom Soziologen Baruch Kimmerling, Hochschullehrer an der Hebräischen Universität in Jerusalem, geprägt. Anlass war die Invasion des Libanon durch die IDF, für die und deren Folgen der Premier Ariel Sharon verantwortlich war. Mit Politizid meinte Kimmerling einen Prozess, an dessen Ziel das Ende der Existenz des palästinensischen Volkes als soziale, politische und wirtschaftliche Größe steht.
Manne schreibt in seinem Meinungsbeitrag : „Nach dem bestialischen, von der Hamas angeführten Massenmord an etwa tausend israelischen Juden vom 07.Oktober 2023 (tatsächlich 1200 Morden und 200 Geiseln) begannen die israelischen Streitkräfte mit der gnadenlosen Vernichtung der Bewohner des Gazastreifens und des Gazastreifens selbst.“
Eine Zeitlang war Arendt eine Zionistin ganz besonderer Art – eine Befürworterin nicht eines jüdischen Staates in einem Teil Palästinas, sondern des Rechts der Juden auf eine „Heimat“ in Palästina nach der Katastrophe, die das jüdische Volk in Europa heimgesucht hatte und die 1918 mit den fast vergessenen Pogromen während des russischen Bürgerkriegs begann, bei denen mindestens hunderttausend Juden massakriert wurden, und 1945 mit der Niederlage Nazi-Deutschlands im Krieg endete, nachdem es sechs Millionen europäische Juden ermordet hatte.
Arendt gehörte in den 1940er Jahren der sogenannten Ihud-Gruppe an, einer Nachfolgeorganisation einer früheren Bewegung namens Brith Shalom. Beide Gruppen waren Teil der zahlenmäßig kleinen zionistischen Denkrichtung, zu der auch einige der jüdischen Intellektuellen gehörten, deren Werke noch heute lesenswert sind, wie Ahad Ha’am, Martin Buber und Gershon Scholem. Was diese Menschen verband, war die Erkenntnis, dass die Verwirklichung des jüdischen Anspruchs auf eine Heimat im historischen Palästina – das die enteigneten Juden seit mehr als zweitausend Jahren als ihr Gelobtes Land betrachteten – in einer Katastrophe enden würde, wenn die Juden nicht zuerst Frieden mit den Arabern schlossen.
(Ich vertrete seit langem, so auch vor dem 07.10.2023 die Auffassung, daß die Juden – auch im zionistischen Zusammenschluss – über mehr als genug Mittel verfügten, um sich bereits im osmanischen Palästina „einzukaufen“, unter anderem durch Landerwerb und sich friedlich bei den Indigenen das Besiedlungsrecht zu erwerben).
In der Sammlung „Hannah Arendt: The Jewish Writings“ stieß Manne auf einen kurzen Aufsatz, aus dem er in seinem Beitrag zitiert.
Der Titel des Aufsatzes lautete „To Save the Jewish Homeland“ (Um die jüdische Heimat zu retten). Man schrieb das Jahr 1948, in dem nach einer Abstimmung der Vereinten Nationen im November 1947 das historische Palästina geteilt und der Staat Israel gegründet wurde.
Hier sind einige der zentralen Argumente des Aufsatzes:
Für Arendt war klar, dass die einstimmige Meinung der Juden zur Gründung eines jüdischen Staates, noch bevor eine jüdisch-arabische Einigung erzielt worden war, in Zukunft unweigerlich eine Katastrophe bedeuten würde.